Made with MAGIXVöllig gebrochen“Geistig und seelisch völ-lig gebrochen, saß PaulAbraham mit 50 anderenNervenkranken im ‚Flug-zeug der Verdammten‘,wie die Maschine von derPresse damals genanntwurde, und landete am30. April 1956 in Frank-furt. Gedankenlos (danicht sehr passend) spiel-te ein Orchester bei sei-ner Ankunft: "Reich mirzum Abschied noch ein-mal die Hände" Robert Dachs (6)“’Bürger-Prinz war eineaußerordentlich proble-matische Persönlichkeit‘,sagt der Hamburger Me-dizinhistoriker Heinz-Pe-ter Schmiedebach. Wäh-rend der Zeit des Natio-nalsozialismus ohne übli-ches Berufungsverfahrenauf seinen Posten ge-setzt, war der renommier-te Psychiater währenddes Krieges an Euthana-sie-Projekten insofern be-teiligt, als er Patienten ka-tegorisierte – und wissenmusste, was mit denengeschah, die er als hoff-nungslose Fälle eingestuft und verlegt hatte. Auchzeigte Bürger-Prinz beiden von ihm begutach-teten Kriegsneurotikerngegenüber mitunter wenig Gnade. Wenn er Sympto-me wie Zittern bei einemSoldaten für simulierthielt, testierte er das –eine solche Beurteilungaber konnte den Betref-fenden vor das Kriegsge-richt bringen, das mögli-cherweise die Todesstrafe verhängte. Viele Soldatennahmen sich angesichtsdessen selbst das Le-ben.“ Katja Behling (12)Euthanasie-ArztLinks zu weiterführendenWikipedia-Artikeln
Baby Gray, Ernst Verebes singen My golden Baby aus: Die Blume von Hawaii (Film, 1933)
Fritz Fischer singt Bin nur ein Jonny in: Die Blume von Hawaii (Film, 1933)Der Emigrant und sein NS-Arzt“Auf das Vorfeld”, so beschreibt der Journalist Hans-Jürgen Fink die Szenerie, “rollt ein dunkler geräumiger Opel bis dicht an die Maschine aus New York, die gerade gelandet ist. Drei junge Männer steigen aus: zwei Assistenzärzte aus dem Eppendorfer Krankenhaus und Andreas J. Meyer, seit Kurzem Verleger des kleinen norddeutschen Merlin-Verlages. Mit der Maschine sind etwa 50 kranke Menschen aus den USA zurückgekehrt, die vor dem Hitler-Regime geflohen waren. ... Der schwer kranke Komponist wird die Gangway heruntergebracht. Ein paar Fotografen machen Bilder, dann bringen ihn Ärzte ins Auto.” (14)Andreas J. Meyer erinnert sich an die ersten Eindrücke: “Die ganze Fahrt zurück nach Hamburg saß er ausdruckslos im Fond.” Zunächst kommt Abraham in die Psychiatrie des Universitätskrankenhauses Eppendorf und wird dort – auch dies ein Mosaikstein in Abrahams „irrsinnigen“ Leben – ausgerechnet von Chefarzt Dr. Hans Bürger-Prinz behandelt. Der hatte - während Abraham in der Emigration leben musste - bei den Nationalsozialisten Karriere gemacht. Er war nach 1933 Mitglied aller relevanten NS-Organisationen (NS-Ärztebund, NSDAP, SA u.a.) und wurde noch 1944 “Wissenschaftli-cher Beirat” Karl Brandts, des NS-Bevollmächtigten für das Gesundheitswesen und Leibarztes bei Adolf Hitler. (11)Die letzten Jahre in HamburgPaul Abraham wurde angesichts seiner manifesten Geisteskrankheit für unmündig erklärt und erhielt mit Johannes Meyer einen Vormund. Meyer (der Vater des Verlegers Andreas J. Meyer) war ein von den National-sozialisten entlassener Spitzenjurist, der sich nach dem Krieg im Paul-Abraham-Komitee für die Rückkehr Paul Abrahams eingesetzt hatte.Abraham blieb 16 Monate in der Psychiatrie. Ein damaliger Oberarzt erinnerte sich in dem Abraham-Porträt von János Davras, Abraham sei praktisch vollkommen “geheilt” aus New York eingetroffen. Sowohl von der Syphilis als auch der von ihr verursachten Psychose sei praktisch nichts mehr vorhanden gewesen. Nach seiner Aussage war Abraham nur noch “leicht dement”, was wohl nicht ganz zu der Tatsache passt, dass der Patient zu dieser Zeit und bis an sein Lebensende weiterhin glaubte, in New York zu sein und Freunden in Briefen regelmäßig kurz bevorstehende Premieren seiner Werke am Broadway ankündigte.Inzwischen war auch Abrahams Frau Charlotte aus der Volksrepublik Ungarn eingetroffen. Sie pflegte ihn dann ab 1957 für den Rest seines Lebens in einer Hamburger Fünf-Zimmer-Wohnung. Vom deutschen Staat erhielt Abraham 500 Mark „Wiedergutmachungsrente“. Auch sollten endlich seine ausstehenden Honorare und Tantiemen ausgezahlt werden. (1)1960 musste Paul Abraham wieder in das Universitätskrankenhaus. Ein “schwarzer Krebs” hatte ein Kniegelenk befallen und Metastasen gestreut. Es war zu spät. Paul Abraham starb am 6. Mai 1960 an den Folgen der OP.Dies ist eine Website des Publizisten Klaus Waller. Alle Rechte am Text vorbehalten. Impressum - Kontakt