(Quellenangaben finden Sie unter der Rubrik “Literatur”.)Das Ensemble des Metropol-Theaters Berlin singt Melodien von Paul Abraham, 1995
Aufnahme eines modernen Buda-pester Ensembles: Heissa Mädel, aus: Viktoria und ihr HusarLinks zu weiterführendenWikipedia-ArtikelnAlfred Grünwald 1943 ineinem Brief an Paul Abra-ham: „Ich bedaure es aufstiefste… dass wir so ver-trottelt waren, nicht zehnJahre früher nach NewYork zu kommen; wir wä-ren bei Theater und Filmlängst die größten Leute!Heute ist es hundertmalschwerer…“Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen in der NS-Zeit (4)Brief von GrünwaldSopranistin Camelia Mocanu singt Viktoria in BukarestAugenzeugenbericht überPaul Abraham in Creed-moor: “...Bei seinerEinlieferung in Creedmoorim Jahre 1945 war er zumErbarmen abgezehrt undmachte den Eindruckeines Schwerkranken. ...Nichts davon ist mehr zusehen. Paul Abrahammacht äußerlich durchausden Eindruck eines psy-chisch gesunden und kräf-tigen Mannes. Doch dasBild ändert sich auf derStelle, wenn man mit ihmspricht. Dann erkenntman, warum er hier an die-sem schrecklichen undfreudlosen Orte ist. Erkommt auf uns zu miteinem auf den Mund ge-legten Finger und ruft lei-se: Psst ... Psst. Scheu,wie verängstigt, blickt erum sich und vergewissertsich, ob auch die Tür ...geschlossen ist. Er sprichtnicht, er wispert nur, fastunhörbar. Was er sagt,wird dadurch noch schwe-rer verständlich, da er ver-gessen hat, sein künst-liches Gebiss einzuset-zen...”Dr. R.van D. (o.A.), zitiert nach Hirschel (8)Er ruft leise: “Psst”Die Musik lebt weiter“Die Melodien von PaulAbraham sind heiter undtraurig, kess und gefühl-voll, sehnsüchtig undhinreißend, ihre rhyth-mische Eleganz, ihr exo-tischer Reiz, das Chromaihres Klangs und Klang-gewandes, das großstäd-tisch Mondäne, der See-lenraum zwischen Wienund Hawaii, die Folklore-Farbigkeit, die Charakteri-sierung der russischen,japanischen, ungarisch-pannonischen Stimmungs-landschaften, das allesmacht sie unverkennbar,das alles lebt über denhinaus, der sie schuf.”Josef Volkmar Senz (17)
Finale von Viktoria und ihr Husar in einer ungarischen Aufführung (1988)Abraham wurde nicht gebraucht...Doch die USA wurden zu einer einzigen Enttäuschung für Abraham. Er, der in Europa als einer der modernsten Unterhaltungskomponisten seiner Zeit galt, bekam hier im Mutterland des Jazz‘ keinen Fuß auf die Erde. Die Hoffnung Abrahams, dass es in ‘Happy Hollywood allen gut’ gehe und dass ‘Johnny, wenn er Money’ braucht nur ‘zum Broadway gehen muss’, weil es dort herumliegen würde, wie er es in Julia und Märchen im Grand-Hotel einst singen ließ, erfüllen sich nicht. Abraham steht völlig mittellos und ohne einen einzigen Auftrag da. War der Jazz-Stil in Europa eine Sensation, so hatten sich die Amerikaner schon bei George Gershwin damit satt hören können - Abraham wurde nicht gebraucht.” (8)Zwar hatte Theatermogul Jacob J. Shubert bereits vorher die Rechte am „Ball im Savoy“ gesichert, doch er dachte nicht daran, diese Operette oder andere Stücke von Abraham am Broadway wirklich aufzuführen. Alle Versuche, mit neuen Projekten zu landen, scheiterten. 1945 schrieb er noch einmal zusammen mit dem Librettisten Alfred Grünwald eine Operette mit dem Namen “Tamburin”. Sie wurde niemals aufgeführt.Langsam aber sicher machen sich Symptome einer geistigen Krankheit bemerkbar. Bezeichnend ist eine Episode, die Robert Stolz später erzählte. Abraham lud eines Tages im Jahre 1943 alle seine Freunde für den nächsten Tag ins Hotel St. Moritz ein. Er werde dort den berühmten Hollywood-Star ungarischer Herkunft, Ilona Massey, heiraten. Als die Freunde dann am nächsten Tag mit Blumen dort erschienen, wusste er von nichts mehr… (4) Zehn Jahre in der Creedmoor PsychiatrieAm 5. Januar 1946 erreichte die Krankheit einen Höhepunkt. Paul Abraham wird des Hotels verwiesen, nachdem er den Liftboy 42 mal in den 17. Stock und zurück hat fahren lassen und dabei ständig „Schnell, noch schneller“ rief. Paul Abraham begibt sich, wie es heißt, mit abgerissener Kleidung, aber, wie immer, mit weißen Handschuhen versehen auf die Madison Avenue, stellt sich auf einen Sockel im Mittelstreifen der Fahrbahn und beginnt ein imaginäres Orchester zu dirigieren. Weil sie die Situation als verkehrsgefährdend einstuft, nimmt ihn die Polizei fest. Der Name Paul Abraham sagt den Polizisten nichts. Es soll sein Freund Paul Alexander gewesen sein, der schließlich bewirkte, dass Abraham ins Creedmoor Psychiatric Center auf Long Island eingeliefert wurde. Die Diagnose: „Psychosis with Syphilitic Meningo Encephalitis“ (Viertes Stadium einer verschleppten Syphilis). Letztlich unheilbar. Paul Abraham verbrachte schließlich zehn Jahre in dieser größten Psychiatrie der USA, in der um 1950 gleichzeitig etwa 6000 Patienten behandelt wurden (heute sind es noch mehr). Eine Einbürgerung kam nach amerikanischem Recht aufgrund seiner Erkrankung ebenso wenig in Frage, wie ohne fremde Hilfe schließlich an eine Ausreise zu denken war. Finanziert wurde sein Klinikaufenthalt durch die nun wieder besser fließenden Tantiemen. (15) Ein Augenzeuge (siehe Kasten) berichtete über seinen schlimmen seelischen Zustand. Abraham wähnte sich in einem Hotel (obwohl er in einem Zimmer mit 14 Patienten wohnte) und spielte anlässlich eines Besuchs durchaus auch seine Melodien auf dem Klavier. “Aber - und das ist, was mir so schauerlich vorkommt - dieser feine, bedeutende Musiker von einst merkt nicht, auf was für einem Instrument er spielt. Es ist blechern, völlig ausgeleiert und gräulich verstimmt. Paul Abraham scheint dies nichts auszumachen...” (8)Es war wieder Paul Alexander, der die Initiative ergriff. Er informierte den Hamburger Schriftsteller Walter Anatole Persich über das Schicksal seines Freundes. (1) Dieser gründete mit anderen (etwa dem jungen Verleger Andreas J. Meyer) ein „Paul-Abraham-Komitee“, das unter Einschaltung der Bundesregierung die Ausreise Abrahams aus den USA ermöglichte. Am 30. April 1956 landet der Komponist zusammen mit 51 anderen kranken Emigranten in einem Flugzeug-Sammeltransport auf dem Frankfurter Flughafen.Dies ist eine Website des Publizisten Klaus Waller. Alle Rechte am Text vorbehalten. Impressum - Kontakt